|
Reisebericht Sardinien im September
2005 von Doreen und Christian aus Berlin
Schön war's mal wieder . . . und dies nun schon zum 4. Mal,
davon 3x auf Sardinien und es wird sicher ein 5. Mal geben.
Aber der Reihe nach!
Da meine Frau Doreen und ich schon ein Woche zuvor auf Sardinien waren, trafen
wir Uwe und Gerald am Samstag zusammen mit den anderen Teilnehmern direkt in
unserem Hotel Castello in Aritzo.
Besonders gefreut habe ich mich, dass diesmal Doreen mit dabei war, habe ich
Ihr doch immer von Sardinien mit den besten Strassen und Streckenführungen
in Europa vorgeschwärmt! Allerdings führte das dann auch dazu, dass
Sie sich Gedanken machte, ob Ihr Fahrkönnen für die doch recht anspruchsvollen
sardischen Strassen ausreicht und dem Gruppentempo gewachsen ist. Wie sich schnell
herausstellte, waren ihre Bedenken unbegründet, da Uwe und Gerald als Tourguides
einen sicheren und souveränen, dennoch zügigen Fahrstil pflegen.
Leider war der Anreisetag nach Aritzo für alle ein sehr feuchtes Unternehmen,
da sich Sardinien an diesem Tag sehr unfreundlich gab und alle außer mir,
mehr oder weniger nass wurden. Einer musste ja schließlich den Hänger
nach Aritzo fahren
Mit etwas Verwunderung trafen wir Uwe auf dem Motorrad
ankommend als Ersten an: sein VW Bus war mit Getriebeschaden auf Korsika geblieben.
Der Rest der Gruppe um Gerald traf einige Zeit später, nicht weniger nass,
ebenfalls ein. Nach der Überfahrt von Korsika, wo sie die Woche zuvor verbracht
hatten, waren sie in zwei Gruppen nach Aritzo gefahren, auch um 2 weitere neue
Teilnehmer, Wilma und Dieter mit ihrer LT, von der Fähre in Golfo Aranci
abzuholen, die nur mit auf Sardinien waren.
Nachdem sich alle weitestgehend unter der Dusche gewärmt bzw. getrocknet
hatten, trafen wir uns zum herzlichen Willkommen auf ein Birra Morretti vor
dem Hotel, wo mittlerweile schon wieder die Sonne durch die Wolken drängte.
Die "Neuen" wurden schnell und herzlich (eigentlich wie immer) in
die nun schon eine Woche bestehende Gemeinschaft integriert.
Am ersten Abend konnte wir uns sogleich die Kochkünste von Rosana vom Hotel
Castello auf der Zunge zergehen lassen. Jedoch ist Pasta bei Rosana nur ein
Zwischengang, einer von vielen
Gewichtszunahme ist inklusive! Wir ließen
den Abend frühzeitig bei Massimo, der "Bar" in Aritzo ausklingen,
auch um noch schnell vor dem Zubettgehen alten Bekannten "Salve" zusagen.
9.00 Uhr Abfahrt! Diese täglich wiederkehrende, freundliche Erinnerung
der Tourguides an den eigentlichen Grund unseres Kommens nach Sardinien wird
jedem noch lange im Kopf bleiben, gut für das nächste Mal. Und erstaunlicherweise
war die Disziplin unter den Teilnehmern trotz teilweise langer Abende erstaunlich
gut(okay, wir haben auch mal geschwächelt) und es gab nur selten Verzögerungen
à la ich muss noch Tanken, ach ja und zur Bank muss ich auch noch
Aber anderseits steht es ja jedem auch frei, seine Tage selbst zu gestalten.
Alles kann, nichts muss und das Angebot der geführten Touren ist halt das
i-Tüpfelchen für einen entspannten Fahrtag, den auch wir immer wieder
gerne genossen haben, auch um nicht immer selbst nach dem Mittagessen Ausschau
zu halten.
So fuhren wir nun also in den ersten Tag hinein, aufgeteilt in zwei Gruppen
hinter Uwe bzw. Gerald. Die Mädels scharten sich gemeinsam hinter Uwe(ob
es dafür wohl einen Grund gab?) sowie Wilma und Dieter mit Ihrer LT. Übrig
blieb eine BMW-Reisegruppe, wie sie nicht schöner hätte von BMW organisiert
sein können, nur Gerald brachte mit seiner KTM zusätzliche Farbe in
die weißblaue Harmonie.
Die Gruppen trennten sich in ihren Routen und planten im Laufe des Tages ein
gemeinsames Mittagessen. Uns führte Gerald mit ein paar Extrarunden zu
einer der schönsten Strassen auf Sardinien, der Orientale Sarda an der
Ostküste, die insbesondere auf den gut 60 km zwischen Dorgali und Tortoli
alles in den Asphalt brennt, was das Herz eines jeden Motorradfahrers höher
schlagen lässt. Zwischendurch kann man sich nicht entscheiden, wo man anhalten
sollte, um die Ausblicke von der bis zu 1000m hoch gelegenen Strasse zu genießen,
also am Besten mehrmals fahren. Leider klappte es nicht mit dem gemeinsamen
Mittagessen, weil die Regenfälle des Vortages einige Strassen für
die andere Gruppe unpassierbar machten und sie es so nicht mehr zum verabredeten
Treffpunkt schafften. Gerald fuhr mit uns dann durch Kurven, Kurven und noch
mehr Kurven zurück ins Gennargentu, dem Gebirgszug auf Sardinien, hoch
nach Aritzo, wo wir dann etwas später auch die andere Gruppe wieder trafen.
Beim erneut leckeren Abendessen(im Folgenden erwähne ich das nicht mehr,
sonst "sabbere" ich noch auf die Tastatur) tauschten wir dann unsere
Tageserlebnisse aus und stellten fest, dass wir alle mächtig viel Spaß
hatten.
Nächsten Tag fuhren wir dann in einer Gruppe, weil die Anzahl der Teilnehmer
nicht so groß war. Grobe Richtung Bitti, nordöstlich von Aritzo gelegen,
zu der von Tourguide Erich mal treffend betitelten "Orgasmus-Strecke".
Erklären kann man es nicht, man muss es im wahrsten Sinne des Wortes erfahren
- hier kann einem von der eigenen Fahrerei schlecht werden, wohl dem, der einen
Endurohelm trägt! Das zwischendurch immer wieder angesetzte "freie"
Fahren, trägt zur Entspannung in der Gruppe bei und gibt jedem Teilnehmer
die Möglichkeit sein Tempo zu fahren. Das Mittagessen mussten wir uns mühsam
durch einige Suchfahrten erarbeiten, aber es lohnte sich mal wieder - ein toller
Geheimtipp von Uwe! Der Nachmittag begann mit Kurven(was sonst) und erlöste
uns somit von den dicken Essensbäuchen. Es ging hinunter an die Küste
nach St. Lucia an den Strand, um noch ein wenig abzuspannen. Leider drängte
die Zeit jedoch, so dass wir dann nach kurzer Pause direkt den Heimweg antraten.
Nach zwei fahraktiven und langen Tagen zog es uns am 3.Tag an die Costa Verde
an der Westküste, einem der schönsten und längsten Standstrände
Sardiniens. Doreen ging heute Ihren eigenen Weg und erkundete die bergige Umgebung
Aritzo's zu Fuss. Uwe gönnte sich auch mal eine Auszeit(warum eigentlich)
und blieb auch. Dieser Umstand führte dann dazu, dass beide wohlgenährt
nach leckeren Mittagessen und einem kleinen Schläfchen, einen sehr entspannten
und lustigen Nachmittag in Massimos Bar verbrachten. Wir dagegen durchquerten
Bachläufe und sandige Passagen mit Freude, um zu unserem Strand zu gelangen.
Selbst Dieter mit seiner LT zeigte sich mal wieder äußerst schmerzfrei,
was die Offroadtauglichkeit seines Dickschiffes anging. Leider war uns der Wettergott
wenig holt und bescherte uns Wolken und einen kräftigen Wind, der einen
längeren Aufenthalt am Strand eher ungemütlich gestaltet hätte.
So traten wir als bald unsere Weiterfahrt über ausgiebig genossenen Schotterstraßen
durch verlassene Minenorte an und nahmen die grobe Richtung Aritzo, ohne dabei
nicht noch den einen oder anderen kleinen Schwenker zu fahren. Der Heimweg wurde
dann doch noch kalt und ungemütlich mit Nebel im Gennargentu. Die Temperatur
war deutlich gefallen und einige von uns konnten feststellen, dass sich Rosana
nicht nur auf's Kochen verstand, sondern auch um die richtige Mischung eines
extrem großen und kräftigen Cafe Corretos für durchgefrorene
Moppedfahrer wusste. Aber dafür wurde auch draußen getrunken!
Wenn ich mich recht erinnere war der 4.Tag, Mittwoch, der Tag, an dem wir nicht
die einzigen waren, die zum Frühstück oder um 09.00 Uhr Abfahrt nicht
stattfanden. Ob das an dem im doppelten Sinne feuchten Abend zuvor lag, magst
Du lieber Leser selbst entscheiden
Ebenso habe wir uns ernsthaft am Nachmittag gefragt, ob es einen unmittelbaren
Zusammenhang zwischen dem Vorabend und dem Augenblick gab, als Tom beim Versuch
einen besonders exklusiven Pfad zum Aritzo Hausberg zu erkunden, seine GS in
einem Hohlweg versenkte. Offensichtlich hat er die Klettereigenschaften seiner
bayrischen Bergziege sichtlich unterschätzt - oder lag es doch nur an der
wenig pfadtauglichen Bereifung? Jedenfalls rückten wir mit 3 Mann wie auf
einem Gebirgsfeldzug an, um den Havaristen mit vereinten Kräften zu bergen,
aber schön am Steilhang geparkt war sie schon.
Unsere kleinere Reisegruppe wurde durch die vorzeitige Abreise Tom's kleiner,
so dass wir nun alle problemlos in "Camilla" passten. Camilla ist
ein Landrover Defender mit Platz für 8 wagemutige Moppedfahrer, die an
ihrem tourguidefreien Tag zwei gegen vier Räder tauschten, und gehört
Sergio. Uwe hatte uns tags zuvor diesen mal etwas anderen Ausflug vorgeschlagen
und wir wurden nicht enttäuscht. Sergio führte uns in die entlegene
Bergwelt des Gennargentu über Pisten mit Steigungen und Abgründen,
die kaum zu Fuß zu bewältigen wären. Mittags "begrillte"
er uns mit einem super Picknick mit Vino und Grappa in einer fantastischen Umgebung,
was dann zu einer doch sehr schläfrigen Rückfahrt führte. In
jedem Fall eine tolle Abwechslung, die unbedingt wiederholt werden sollte! Den
Abend ließen wir, wie es sich nach so einem staubigen Tag schließlich
gehört, mit einigen leckeren Bierchen ausklingen, um die trockenen Kehlen
zu befeuchten. Dazu gab es, lange erhofft, endlich super Steinofenpizza-das
Kulinarische kommt wahrlich nicht zu kurz.
Unser letzter Tag führte uns in den Südwesten der Insel, zunächst
zur Grotte S. Giovanni in der Nähe Iglesias. Hier konnte man vor einigen
Jahren sogar noch durchfahren, da diese Höhle von beiden Seiten zugänglich
ist. Wir mussten uns leider zu Fuss den Weg durch Unmengen von Vogelscheiße
bahnen, um dann in der z.T. stockfinsteren Höhle zum anderen Ausgang zu
gelangen. Wieder am Tageslicht angekommen, fielen wir über die Eistheke
einer nahen Bar her, um zumindest am letzten Tag noch mal in den Genuss zu kommen.
Weiter ging es Richtung Westküste zu, mal wieder, sehr schönen Buchten
und kurvenreichen Streckenführungen. Wir genossen dann die letzen Kilometer
Richtung Aritzo über die uns schon lieb gewonnenen und vertrauten Strassen
durch das Gennargentu, und Doreen stellte dann mit Freude fest, was sie alles
in den letzten Tagen kurventechnisch gelernt hatte und wich Gerald nicht mehr
vom Hinterrad.
Der letzte Abend bedeutete eine kleine Abschiedstournee durch die Bar's in Aritzo.
Aber es blieb ein kurzweiliger Abend.
Nächsten Morgen hieß es Abreise zur Nachtfähre nach Golfo Aranci.
Wir luden unsere Moppeds auf den Hänger und trafen uns dann am Nachmittag
mit den anderen wieder an einem Strand kurz vor Golfo Aranci, um noch ein letztes
Bad zu nehmen. Uwe, der tags zuvor zurück nach Korsika gefahren war, um
seinen reparierten Bus zu holen, kam ebenfalls zum Treffpunkt. Nachdem alle
Motorräder ihren Platz auf dem Hänger gefunden hatten, genossen wir
noch mal die sardische Küche, bevor wir Autos und Hänger auf die Fähre
schafften. An Deck, direkt auf dem Hubschrauberlandeplatz, dann das schon traditionelle
Abschiedritual mit sardischem Wein und wehmütigen Gedanken.
Nächsten Morgen hieß es dann "Tschüss" sagen, unser
Weg zurück nach Berlin führte über den Brenner, Uwe seiner über
die Schweiz.
Nicht zuletzt der vielen netten Leute, sondern insbesondere auch der Tourguides
Uwe, Gerald und Erich(der leider diesmal nicht dabei sein konnte)wegen, bin
ich immer wieder gerne mit dem Seylerhof unterwegs gewesen. Besonders freue
ich mich, dass ich ab jetzt auch "wir" sagen kann, denn Doreen hat
es auch viel Spaß gemacht! Und wir werden bald wieder dabei sein
Doreen und Christian aus Berlin
|