|
Übernachten
Straße ON-Road
Enduro OFF-Road
Alle Termine
Berichte & Galerie
» Videos
» Erlebnisberichte
» Bilder-Galerien
Gästebuch & Forum
Links
Wetter
Newsletter
Anfahrt
Kontakt
Impressum
|
Berichte & Galerie » Erlebnisberichte
Geschrieben von Georg Werker aus Monschau.
Georg war nur mit auf Korsika
Schreib doch mal einen Erlebnisbericht...
Tja Leute, da hab ich mich ja auf etwas eingelassen... Jetzt sitze ich hier
als der "Auserkorene" für einen Erlebnisbericht über
unsere Woche in Korsika und versuche, für die, die dabei waren und
auch die, die vielleicht in Zukunft dabei sein werden, die Eindrücke
zu "Internet-Papier" zu bringen. Aber eigentlich geht das ja gar
nicht... Doch mit der Flasche Rotwein, die ich eben aufgemacht habe, gelingt
es ja vielleicht doch zumindest flüssiger wird´s jetzt
von der Tastatur gehen...
|
Wie kommt man dazu mitzufahren
?
Wie kommt man dazu, mit zumeist wildfremden "vermummten"
Zweiradfahrern sich auf einen gemeinsamen Urlaub einzulassen ? Ganz einfach,
man nehme einen motorradbessenen Freund aus dem Heimatort,
der sich Erich nennt und
zufällig Tour-Guide beim Seylerhof-Team ist und fahre mit ihm zur
Saisoneröffnung im Mai auf den Seylerhof. Nach einem wilden Wochenende
dort mit wunderschönen Touren durch das Luxembourger Land und die
Südeifel (und nicht ganz unwichtig: gutem Essen und Lagerfeuer am Abend)
kommt man dann zurück nach Hause und denkt sich: "Wow, da warst Du
nicht das letzte Mal dabei!"...
Wenn man dann im Urlaub noch nichts vorhat, schaut man auf die Home-page vom
Seylerhof und stellt fest: Mensch, in drei Tagen geht`s ja schon los! Dann
macht man alles per Fax noch auf die Schnelle klar und schon kriecht man zwei
Tage später um 5.30 Uhr aus seinem Wohnmobil (ich war gerade umgezogen,
alte Wohnung leer, neue Wohnung Chaos), um sich um 6.00 Uhr an der Autobahn mit
Erich samt Anhang zu treffen und gemeinsam nach La Spezia zu fahren...
Na ja, zumindest war´s bei mir so. Alle anderen dürfen aber ruhig
regelmäßiger auf die Seylerhof-Seite gucken, und sich rechtzeitig
anmelden. Doch bei mir zumindest gehört das Chaos wohl irgendwie
dazu... |
Für die Anreise ist jeder
selbst verantwortlich...
Ausgerechnet an diesem Morgen muß meine Blackbox kaputt
gehen und ich lasse die anderen weiterfahren, um meine ansonsten
zuverlässige Transalp in der nächstgelegenen HONDA-Werkstatt
reparieren zu lassen. Schließlich ist es schon 12.00 Uhr, als ich
losfahre und die Aufholjagd kann beginnen. Doch man fährt ja nicht
Motorrad, um im Wohnzimmer zu sitzen...
Also werden sämtliche Kräfte in der Nähe des größten
menschlichen Muskels aktiviert und ich sitze die Sache im wahrsten Sinne des
Wortes während der nächsten elfeinhalb Stunden aus. Als ich
schließlich um 23.30 Uhr in La Spezia ankomme, bin ich schon sehr froh,
daß Erich und Uwe die Sache mit dem Fährpersonal geklärt haben
und ich mit meinem Moped noch auf die Fähre fahren kann. Übrigens
wohl die beste Art mit einer Fähre zu reisen: abends ankommen,
drauffahren, keinen Streß mit Abfahrzeiten haben, in einer Kabine pennen
und am nächsten Morgen die Überfahrt zu genießen. |
Kondition ist alles oder:
Neugierde ist ein wichtiger Antrieb!
Aber Nein: ich bin ja neugierig und will sehen,
wer alles da ist. also Handy raus, Erich anrufen und auf geht´s zur
Pizzeria, wo alle anderen bereits seit Stunden sitzen und sich des
italienischen "sapere di vivere" (Way of Life) erfreuen. Doch
Erich´s Wegbeschreibung war nicht so toll, also rufe ich nochmal an und
finde mich, während ich noch mit ihm telefoniere (er steht mit dem
Rücken zu mir) in einer Horde bereits nicht mehr ganz nüchterner
Biker und Bikerinnen wieder. Als ich ihm auf die Schulter klopfe, merkt er,
daß er keine Werbung für D2 machen muß und wir fallen uns
lachend in die Arme (männerfreundschaftlich, versteht sich!).
Tja, denke ich, die Lage mal peilen wäre nicht schlecht, aber
offensichtlich wirke ich nach 18 Stunden (incl. Werkstattaufenthalt) Anfahrt
auf die anderen wohl so erschöpfend, daß die doch tatsächlich
aufstehen und in ihre Kojen abziehen.. Gott sei Dank hat sich im Laufe der
Woche herausgestellt, daß das dann doch nicht an mir lag...
Der Tag geht schließlich morgens um vier mit Uwe, Erich und Mari
(Freundin von Erich aus Schweden, die zwar immer behauptet, sie versteht kein
Deutsch, aber ich bin mir nicht so sicher, denn sie lacht zu oft genau an den
richtigen Stellen ...) auf dem Achterdeck bei den letzten Büchsen Bier aus
Deutschland zu Ende. Jetzt kann Korsika kommen! |
Der erste Tag
Eine halbe Stunde vor der Ankunft merkt mein Körper wohl, daß er
nicht ewig liegen bleiben kann und ich schaffe es doch noch, zusammen mit den
anderen in voller Montur mit den Mopeds aus diesem übel nach Abgasen
riechenden Bauch der Fähre heraus zukommen und wir befahren endlich
korsischen Boden. Bastia ist wie fast alle größeren
Fährhäfen der Moloch, in dem sich alles Städtische konzentriert
und ich bin froh, daß wir uns sofort auf den Weg zu unserem Quartier
machen. .
Ist schon ein geiles Gefühl, in einer Gruppe von mehr als 20 mit den
Mopeds so durch die Gegend zu fahren. Unter uns: in dem innerstädtischen
morgendlichen Berufsverkehr kann mit meinem VW Passat ein ähnliches
Gruppengefühl mit den anderen Pendlern nicht aufkommen. Woran das wohl
liegt ?
Kurz nach Ponte Leccia verlassen wir dann die langweilige "Rote" und
fahren auf die gelbe D 84. Nach einem Zwischenstop zwecks Stärkung und
Förderung der "Linie" (zumindest bei den Salat-Essern) geht es
dann in "freier Fahrt" (also ohne Gruppenzwang) weiter bis zum
nächsten Treffpunkt und nach kurzer Zeit erhalte ich einen ersten Eindruck
von dieser wunderschönen Insel, die Gott (oder wer auch immer) wohl nur
deshalb so erschaffen hat, damit man keine geraden Straßen bauen kann!
Ich bin noch nicht richtig warm und Wolfgang aus Aachen, der eben noch vor mir
war, ist plötzlich weg! Na,denke ich, so geht´s ja nun auch nicht und
so allmählich kommt unsere kleine Gruppe in das richtige Tempo...
Treffpunkt ist der hoch gelegene Col der Vergio und bereits auf dem Weg dorthin
merken wir, was Korsika neben seiner Landschaft so speziell macht: also so viel
freilaufende Nutztiere wie Kühe, Schweine und
"was-weiß-ich-nicht-noch-alles" habe ich ja noch nirgendwo auf
den Straßen rumlaufen sehen. Allerdings haben diese Viecher so viel
Erfahrung mit dem Straßenverkehr, daß sie in der Regel
schön brav am Straßenrand stehen bleiben und auch dann, wenn
sie von rechts kommen, nicht auf ihrer Vorfahrt beharren, sondern ausweichen.
Aber wie heißt es ja so schön: der Klügere gibt nach...
Am Col der Vergio treffen wir uns alle wieder und finden uns vor dem
großen steinigen Denkmal dieser berühmten Jungfrau (wenn´s denn
wirklich eine war) inmitten einer Herde von Schweinen und anderen Touristen
wieder. Erich hält es für eine gute Idee von Mari und einem Schwein
ein Gruppenphoto zu machen. Das Schwein aber findet die Idee gar nicht so gut.
Gott sei Dank ist Maris Tetanus-Impfung noch nicht abgelaufen...
Nach einer wunderschönen Abfahrt geht es dann wieder in freier Fahrt (und
diesmal sind wir warmgefahren!) abwärts zum vereinbarten nächsten
Treffpunkt in Sagone. Von dort aus fahren wir dann wieder in Kolonne zu unserem
Quartier, das an der wunderschönen Bucht des Golfe de la Liscia liegt.
Wir beziehen im oberen Gebäude unsere mit schöner Balkonaussicht
versehenen Vier-Zimmer-Appartments und die Männer machen sich Gedanken
darüber, warum die vier mitreisenden Frauen sich so schnell einig waren,
gemeinsam eines dieser Vier-Zimmer-Appartments zu beziehen...
Übrigens: darüber, daß Uwe ein Einzelzimmer und Erich und Mari
ein Doppelzimmer beziehen, verliere ich natürlich kein Wort.
Nach ausgiebigem Duschen treffen wir uns alle im Gemeinschafts- und Essensraum
der Anlage wieder, wo wir das gute Essen der Herberge und den ausgedehnten
Getränkevorrat gemeinsam genießen und uns erstmals (zumindest
für mich gilt das) im Gespräch etwas näher kommen. Zu
fortgeschrittener Stunde stellt sich wie immer dann auch der
harte Kern heraus und ich bin stolz, als mich Uwe mit zu unserem Wirt
Jean-Thomas an die Theke nimmt, um zu dritt eine korsische Spezialität zu
"zelebrieren". Ich bin noch so klar bei Verstand, daß ich mir
das Etikett dieser mysteriösen Flasche zeigen lasse, aber nicht mehr
genug, um mir über die Bezeichnung "95" und darüber,
daß Jean Thomas und Uwe etwas anders trinken, Gedanken zu machen....
Na ja, aber schließlich bin ich nicht zum Spaß hier, lasse mir
trotz rapide steigender Innentemparatur so wenig wie möglich anmerken und
freue mich schon darauf, die nächsten Opfer dieser Gemeinheit in den
nächsten Tagen beobachten zu dürfen. Falko, Jörg und Michael
hatten während der Woche die Gelegenheit zu beweisen , daß sie keine
Vorwärts-Einparker sind. Sie sind es nicht... |
Der zweite Tag
Am nächsten Morgen geht´s dann erstmals auf Tour. Alle haben jeden
Tag die Möglichkeit, zwischen zwei Touren, geführt von Erich oder
Uwe, zu wählen. Da ich mit Uwe noch nicht gefahren bin, entscheide ich
mich für ihn und die Entscheidung war auch deshalb richtig, weil wir an
diesem Tag durch die Calanches de Piana gefahren sind.
Dieses schwindelerregend bis zu dreihundert Meter hoch aufragende, aus rotem
Granitgestein bestehende Felslabyrinth ist eine Landschaft, die ich mein Leben
nicht mehr vergessen werde. Die Schönheit der Insel manifestiert sich in
diesem Fleckchen Erde und ich bin mir spätestens jetzt sicher, daß
diese Insel ihren Ruf als lohnenswertes Reiseziel verdient hat.
Abends zurückgekommen zeigt sich, daß Erich als Fahrplanplaner bei
der Bundesbahn die absolute Fehlbesetzung wäre. Denn erst mit Einbruch der
Dunkelheit kommt seine Gruppe gerade noch rechtzeitig zum Essen zurück. So
wie ich ihn kenne, hat er wieder keine interessante "Weiße",
die auf der Strecke lag, ausgelassen. Da aber keiner von denen, die mit ihm
gefahren sind, meckert, wird es sich wohl gelohnt haben...
Wie sich herausstellt, wird sich daran auch in der ganzen Woche nichts
ändern. Wer mit Erich fährt, dem darf es nichts ausmachen, im Dunkeln
zurückzukommen. Aber dafür wird man wirklich mit aufgefallenen Routen
belohnt, auf die man als Individualreisender nicht im Traum kommen
würde... |
Der dritte Tag
Am nächsten Tag fahre ich wieder mit Uwe, denn erstens haben wir am Abend
vorher gemeinsam ziemlich lange den Schlaf-Trieb besiegt (Falko und Jörg
haben wieder geholfen), und zweitens soll es durch die Gorges de la Restonica
gehen. Als alter Schluchtenfan bleibt mir da natürlich keine Wahl!
Leider ist die Straße durch die Schlucht gesperrt. Doch wir halten am
Eingang der Schlucht an einem wunderschön gelegenen Campingplatz und
lunchen dort ausgezeichneten Fisch. Wir lachen viel und lassen uns die Laune
nicht verderben. So mancher Spruch dieses Tages wird in Erinnerung bleiben
(Daniela weiß, was ich meine...)
Abends nach dem Essen geht es zum Strand. Die Tour-Guides geben zwei Kanister
Wein. Bei einem bilderbuchhaften Sonnenuntergang kommen sich die Mitreisenden
näher.
Auch die einheimischen Hunde gehen neue Freundschaften ein und ich weiß
bis heute nicht, wie Daniela es geschafft hat, den Adoptiv-Antrag eines
wirklich anhänglichen, weiß-braunen Mischlings, der uns bis zur
Theke von Jean-Tomas gefolgt ist, dann doch noch erfolgreich
abzulehnen... |
Der vierte und der fünfte
Tag (oder: die Zwei-Tages-Tour)
Da wir ja nicht zum Vergnügen hier sind, geht es auf zur Zwei-Tages-Tour,
in der die Umrundung des erhobenen Zeigefingers von Korsika, des im Norden
gelegenen Cap Corse, das Ziel ist. Da sich einige der
Straßenmaschinenfahrer über den Zustand der korsischen
"Weißen" beklagt haben (was ich persönlich nicht
nachvollziehen kann, denn "Autobahn"fahren kann man ja zu Hause)
wählen die Tourguides leider den landschaftlich weniger reizvollen
Anreiseweg zu unserem Zwischenquartier bei Casta...
In Casta angekommen, entscheide ich mich für einen einsamen, aber
erholsamen Nachmittag in unserem Quartier. Die anderen fahren Erich hinterher
zu einem Strand in der Nähe, der aber nur über eine nicht
asphaltierte, sandige Piste zu erreichen ist. Das ist aber, man glaube mir, nun
weiß Gott nicht der Grund, warum ich nicht mitfahre, ich bin einfach nur
müde (auch ein Hart-Ei muß mal ausruhen!)
Genüßlich beobachte ich frisch geduscht und wieder wie ein Mensch
riechend vom Balkon aus die in Staub und Sand eingehüllten Heimkehrenden
und es erwischt auf der abschüssigen Sandpiste zum hinteren Teil des
Hotels zwei von uns. Ich glaube aber nicht, daß es an ihrem fahrerischen
Können liegt, sie hatten einfach nur Pech, Sand ist eben Sand... Gott sei
Dank ist nichts (und niemand) kaputt gegangen und es kann am nächsten Tag
weitergehen zum Cap Corse.
Dieser korsiche Inselfinger ist nun wirklich wieder ein landschaftliches
Highlight und auf der "freien" Fahrt zu unserem Treffpunkt in den
malerischen Hafen von Centuri-Port gibt es so viele Stellen, wo man eigentlich
halten müßte, daß man wohl erst nach Tagen ankäme, wenn
man es täte. Michael, Uwe und ich gönnen uns dennoch ein paar
Aussichtspunkte und pünktlich wie die Maurer treffen wir als Letzte im
Hafen von Centuri-Port zum vereinbarten Zeitpunkt ein. Timing ist eben Timing,
lieber Erich!
Auf der Rückfahrt übersehe ich dummerweise die uns entgegenkommenden
Daniela und Tomas, die sich die Cap Corse-Tour an nur einem Tag vorgenommen
haben und ,wie sich herausstellt, es auch ohne Streß, aber natürlich
nur mit einigen "roten" Kilometeren geschafft haben. Ich finde das in
Ordnung, denn es gilt das Prinzip, jeder so wie er es möchte. Wenn schon
nicht im Alltag, dann wenigstens im Urlaub!
Das nehme ich dann auch für mich in Anspruch, als ich mich von Erich und
Mari, Christian, Wolfgang, Michael, Uwe und Tilo auf der Rückfahrt trenne,
weil ich noch etwas baden will. Vorher jedoch sind wir Erich auf eine der
meiner persönlichen Meinung nach schönsten Strecken über die D5
gefolgt. Die D5 verläuft streckenweise auf einem Berggrat, von dem man
nach beiden Seiten der Insel atemberaubende Ausblicke erhält. |
Der sechste, Tour-Guide-freie,
Tag
Der Donnerstag ist ein Tour-Guide-freier Tag und jeder kann
sich selbst überlegen, was er machen will. Ich entschließe mich
gemeinsam mit Daniela, Falko und Tomas, es mal mit einem Badetag am
Süßwasser zu versuchen und wir fahren über die D3 zum See ohne
Namen (anscheinend haben alle Seen auf der korsichen Karte keinen Namen).
Anfangs ist die Strecke langweilig zahm, aber es steigert sich.
Falko stellt wieder einmal seine Regisseur-Qualitäten unter Beweis und
unter seiner Regie gelingen ein paar sehr schöne Video-Aufnahmen von
unseren "spontanen", improvisierten Hin- und Rückfahrten an
seiner Kamera vorbei.
Wer Falko kennt, weiß schon jetzt, daß sich auf dem Film nicht nur
Motorräder und Straßen, sondern auch andere atemberaubende Kurven
wiederfinden werden... (aber ich kann dafür ziemlich viel Verständnis
aufbringen..)
Auf dem Rückweg fahren wir über Bastelica und die D27 zurück auf
die von mir nicht geliebte "Rote" N 193. Doch vorher landen wir auf
einer Bergkuppe, wo nicht nur jede Menge Schweine wild herumlaufen, sondern
auch zwei Jäger sich schwer bewaffnet aufmachen, ihren (den der Schweine,
nicht den der Jäger..) Bestand zu reduzieren....
Die Abfahrt führt uns über eine total vom Steinschlag in
Mitleidenschaft gezogene, ansonsten aber wunderschöne Straße und es
zeigt sich, daß Tomas und Falko keine Weicheier sind und mit ihren
Straßenmaschinen auch schwierige Pisten bezwingen können. Daniela
und ich haben es da mit unseren Straßen-Enduros etwas einfacher. Als wir
zurück sind, sind wir alle vier von der Strecke begeistert, was beweist,
daß es nicht auf den Zustand der Straßen ankommt, sondern auf die
Einstellung des Fahrers! |
Der siebte Tag
Am letzten Tag geht es mit fast allen Teilnehmern unter Leitung von Erich in
den Süden, nach Bonifacio. Dort erwartet uns nach einer entfernungsbedingt
durchgängig "roten" Fahrt eine wunderschöne Hafenstadt mit
einem für meine Begriffe wirklich besonderen Flair. Die Tourguides haben
eine Schiffahrt organisiert und wir sind sehr froh, daß wir unsere
langsam doch sehr geruchsintensiven Motorradklamotten bei dem sehr freundlichen
Bootsvermieter unterbringen können. In solchen Situationen können
übrigens sehr leicht neue Modetrends entstehen, wie uns Daniela mit ihrer
Kobination aus Minirock und Motorradstiefeln sehr eindrucksvoll beweist...
Die Schiffahrt ist - wie in Frankreich üblich äußerst
informativ, da auch in Korsika sämtliche Erläuterungen vom
Französischen minutiös ins Französische übersetzt werden,
aber so sind sie eben, die Fanzosen "Honi soit qui mal y
pense"...(übrigens ein alter korsischer Separatisten-Spruch)
Nach der Schiffahrt gehe ich mit unserem "Senior" Gerd (ich
wünschte manch einer mit dreißig Jahren weniger auf dem Buckel
wäre so fit und weltoffen wie unser Gerd) zusammen essen. Nachdem wir uns
an der nicht nur freundlichen, sondern auch sehr nett aussehenden Bedienung
erfreut haben, zieht es mich dann doch trotz des Zeitdrucks (wegen des
Abfahrttermins) noch in die hoch oben auf dem Küstenfelsen gelegene
Altstadt von Bonifacio. Ich erinnere mich meiner
"Ziegen"-Qualitäten und erreiche zwar schwitzend, aber immer
noch munter diese wirklich interessante Mischung aus engen Altstadtgassen und
eindrucksvollen Aussichtspunkten auf dieses Mittelmeer, das wir doch alle
lieben !?
Wie sich übrigens herausstellt, gab es auf dem Weg zur Altstadt witzige
Begegnungen der dritten Fortbewegungsart... Denn es passiert ja nicht alle
Tage, daß redlich zu Fuß den Berg bezwingende Biker von einer ihrer
Kolleginnen in einer Touristen-Bimmelbahn winkend überholt werden...
(Grüße an Ellie...)
Auf unserer Rückfahrt zum "Hauptquartier" zeigt sich dann,
daß die Regeln für Gruppenfahren nicht so verstanden werden
müssen und sollten, daß man das Gehirn abschaltet. Erich jedenfalls
ist weniger sauer darüber, daß ihm mitten in einem der zahllosen
Kreisverkehre die Maschine ausgeht, als vielmehr darüber, daß
außer mir, Christian und Christiane sich keiner traut, am Tourguide
vorbeizufahren. Die Korsen, die hinter dieser illustren, im Kreisverkehr
"parkenden" Horde deutscher Zweirradfahrer in ihrem
Verkehrsfluß gebremst werden, nehmen es berechtigterweise nicht mit
Humor..
Nach einer danach etwas chaotischen Fortsetzung der Heimfahrt denke ich mir,
"Gut, daß keinem was passiert ist, das ist ja die Hauptsache"
und mache noch einen Schlenker an den heimischen Badestrand.
Schließlich wird es für mich in diesem Jahr das letzte Mal sein,
daß ich im Meer schwimme!
Am letzten Abend finden sich noch einmal alle zusammen bei unserem standfesten
Gastwirt Jean-Tomas, von dem man wirklich sagen kann, daß man bei ihm nie
das Gefühl haben mußte, daß er seinem Feierabend
entgegenfiebert. Es wird also wieder sehr spät, aber ich lebe ja
schließlich nach dem Prinzip: "Wer zuletzt ankommt, sollte auch als
letzter gehen ...." (Wenn Jörg nicht gewesen wäre, hätte
ich das auch geschafft!) |
Der letzte Tag
Am nächsten Morgen bedaure ich schon, daß ich keinen Urlaub mehr
habe und zu der Gruppe gehöre, die von La Spezia aus in Richtung Heimat
fahren wird. Gerne würde ich mit den anderen noch weiter in die Toskana
fahren.. Als wir nach einer gemütlichen Fährfahrt in La Spezia
ankommen, sind aber die wichtigsten Telefonnummern bereits ausgetauscht. Genau
in dem Moment, wo wir Festland befahren, beginnt es zu regnen, was meiner
Stimmung entspricht...
Wir verabschieden uns von den Glücklichen, die weiter in Richtung
Süden fahren dürfen und fahren zu der von Uwe organisierten
Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe von La Spezia. Nachdem wir
im Hotel angekommen sind, erfrischen wir uns noch an ein paar kühlen
Getränken und beenden unsere Reise damit, womit wir auch angefangen haben:
mit einem gemütlichen Abend in einer Pizzeria. |
Die Heimfahrt
Am nächsten Morgen bestätigt sich wieder, daß die
Mittelmeer-Anrainer das Frühstück nicht erfunden haben und nach ein
paar trockenen Scheiben Weißbrot mit "Plastik"-Marmelade (Ihr
kennt sie ja, diese umweltfeindlichen, einzeln verschweißten
Hotelportiönchen) verabschieden wir uns und treten getrennt unseren
Heimweg an.
Auf der Rückfahrt ist mir der Wettergott wohlgesonnen, ich lasse es
gemütlich angehen und staune nicht schlecht, als ich in der Schweiz beim
Tanken Gerd wiedertreffe, der über Genua gefahren ist. Wir essen zusammen,
fahren noch ein Stück gemeinsam und trennen uns am Gotthard. Gerd will
über den Paß fahren, doch dafür habe ich keine Zeit, denn im
Gegensatz zu ihm muß ich morgen wieder arbeiten.
Ich staune nicht schlecht, als ich ihn beim nächsten Tanken wieder treffe,
offensichtlich ist man mit dem Motorrad über den Paß nicht viel
langsamer als durch den Tunnel. Also ein guter Rat: Erspart Euch diese
stinkende und viel zu warme, unangenehme Durchfahrt durch den 17km langen
Gotthard-Tunnel, für die paar Minuten Zeitgewinn lohnt es nicht!
Ungefähr um die gleiche Zeit, als ich seinerzeit in La Spezia angekommen
bin, nämlich zwischen 23 und 24 Uhr, erreiche ich meinen Heimatort und
falle hundemüde in mein Bett. Tja, das war´s dann... |
Mein Fazit
Alles in allem war es eine wünderschöne Woche in Korsika und ich
möchte sie in meinem Leben nicht missen. Mit ein bißchen Toleranz,
Selbständigkeit und der Bereitschaft, sich in eine Gruppe zu integrieren,
ohne sich dabei einem Gruppenzwang verpflichtet zu fühlen, kann eine
solche Tour für jeden motorradfahrenden Individualisten eine wunderbare
Sache sein!
Allen kann man es nie recht machen, aber mir hat es gut gefallen und ich war
sicher nicht das letzte Mal dabei... |
Lieber Georg,
vielen Dank für diesen Erlebnisbericht.
Wir würden uns freuen,
Dich bald wieder bei einer Tour dabei zu haben.
Das Seylerhof-Team
| |